Grenzerfahrung und Heimatliebe

Grenzerfahrung und Heimatliebe

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Wenn eine weltweite Pandemie sowohl das globale als auch das persönliche Leben durcheinanderschüttelt, so merkt man schnell, dass nichts, was bisher als selbstverständlich angesehen wurde, auch selbstverständlich ist.  Es ist für alle eine Grenzerfahrung.

Aus diesen Gedanken heraus entstand die Idee für diese Motorradtour. Ursprünglich wollte ich mit meiner ‚Lady‘ nach St. Petersburg fahren und dabei die baltischen Länder kennenlernen. Aber die immer wieder schwankenden Reiseregelungen hielten mich davon ab.

„Unsere Heimat hat so viele schöne und interessante Ecken – warum also nicht mal das eigene Land auf neuen Wegen erkunden, immer schön an der Grenze entlang!“

Wie bei jeder ihrer Touren startete ich vom Wilthener Rathaus aus. Im Reisegepäck hatte ich nicht nur Zelt und Schlafsack, sondern auch Grußbotschaften meines Bürgermeisters an seine Amtskollegen in den 4 ‚Zipfelorten‘ unseres Landes – Görlitz im Osten, List auf Sylt im Norden, Selfkant im Westen und Oberstdorf im Süden.

Auf meiner Reise musste ich mich verschiedenen Herausforderungen stellen. Da waren zum einen die Wetterkapriolen. In den ersten beiden Wochen regnete es nahezu jeden Tag. Zusammen mit dem stürmischen Wind in Küstennähe war dies eine gefährliche Kombination. Aber auch strahlender Sonnenschein und Sommerhitze kratzten an meiner Motivation, als ich in voller Montur am Walchensee im Stau stand, während 5 Meter weiter die Urlauber sich im kühlen Nass tummelten.

Wer sich für eine ‚RE Classic‘ entscheidet, entscheidet sich damit auch unweigerlich für einen eher klassischen Fahr- und Reisestil. Dazu gehört für mein Verständnis u.a. auch der Verzicht auf ein Navigationsgerät. Jeden Morgen plante ich meine Tagesstrecke und schrieb kleine Handzettel mit der Route. Da ich zumeist Landstraßen und Bundesstraßen nutzte und damit versuchte, weitestgehend jeden Zipfel der Grenze auszufahren, konnte ich nicht einschätzen, wie weit ich am jeweiligen Tag komme. So konnte ich die Planung der Unterkünfte auch nur maximal für einen Tag im Voraus angehen. Meist organisierte ich mir meine Unterkunft erst am späten Nachmittag. Die Herausforderung hierbei war das Budget. Aufgrund des Regens in den ersten Wochen hatte ich nur einmal gezeltet. Das hat meine Reisekasse arg strapaziert. Also galt es, nicht nur eine Unterkunft zu finden, sie durfte auch eine gewisse Preisgrenze nicht übersteigen. Da musste ich mich schon auf so manchen Kompromiss einlassen.

Eine weitere Herausforderung war das Gepäck. Durch meine Reisen war ich es gewohnt, mich in persönlichen Dingen sehr zurückzuhalten. Bei einer Motorradtour jedoch kommen etliche Kilo Gepäck allein durch Zeltausrüstung, Schmiermittel und kleinere Ersatzteile, Funktionskleidung und Technik zusammen. Auf Tagesrucksack, beide Satteltaschen und die Gepäckrolle verteilt waren das um die 37 Kilo, die jeden Tag auf- und abgesattelt und in die Unterkünfte geschleppt werden mussten. 

Doch all diese Fakten spiegeln nicht einmal ansatzweise die verschiedenen Facetten dieser Reise wider. Unzählige Begegnungen am Straßenrand haben mich erfreut, verblüfft und berührt. Noch immer bin ich überwältigt von der Vielfalt der Landschaften, der Schönheit der Bauwerke und Kulturgüter, der Kunstfertigkeit der verschiedensten Handwerksgewerke, die unser Heimatland zu bieten hat. Aus vollster Überzeugung steht für mich fest:

„Ich habe mich wieder neu in meine Heimat verliebt!“