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Ganz nach dem Motto ‚Man weiß ja nie…‘ erwarb ich in meiner Jugend den Motorrad-Führerschein und fuhr seitdem nie wieder. 30 Jahre später verliebte ich mich auf einer meiner Nepal-Reisen in ein Motorrad – eine Royal Enfield – und lernte im chaotischen Stadtverkehr von Kathmandu und auf den Pisten der Umgebung das Fahren neu.

Bereits am ersten Tag musste ich einige kritische Situationen meistern. Das gab mir das nötige Selbstvertrauen, um auf eigene Faust das Kathmandutal zu erkunden. Gemeinsam mit einem einheimischen Freund überquerte ich die Bergkette des Shivapuri und besuchte ein Dorf, welches ich durch gesammelte Spenden nach dem Erdbeben mit Hilfsgütern versorgt hat. Die Menschen dort staunten nicht schlecht, hatten sie doch zuvor noch nie eine Ausländerin gesehen.

Nach meiner Rückkehr aus Nepal ging mir das Motorrad nicht mehr aus dem Kopf. Allein die spannende Geschichte dieser aus England stammenden und mittlerweile in Indien produzierten Maschine faszinierte mich. Es kam, was kommen musste – ich bestellte mir eine Royal Enfield, packte sie eigenhändig aus dem Schiffscontainer aus und taufte sie auf den Namen „LADY“.

Nach ein paar kleineren Testfahrten, bei denen wir uns aneinander gewöhnten, kaufte ich mir ein Zelt, Schlafsack und Isomatte, ließ mir vom Bürgermeister meiner Heimatstadt Wilthen eine Grußbotschaft ausstellen und startete in Richtung Skandinavien. Mein Ziel waren die drei nordischen Königshäuser in Kopenhagen, Stockholm und Oslo. Dabei ging es mir weniger um die gekrönten Häupter, als vielmehr um ein Foto meiner royalen „Lady“ vor dem königlichen Schloss.

Auf dem Weg musste ich mich so manchen Herausforderungen stellen, wobei mir die starken Regenfälle am meisten zugesetzt haben. Ich zeltete u.a. auf einem Golfplatz, schlief in einer Holzhütte und übernachtete bei einer norwegischen Familie. Ein besonderer Höhepunkt dieser Tour war die Erkundung des Polarforschungsschiffes „FRAM“, das in Oslo seinen letzten Ankerplatz gefunden hat.

Die mit 992 km längste und härteste Etappe der Reise war eine Nonstop-Fahrt von Oslo nach Rostock, wobei ich die letzten 9 Stunden nachts bei strömenden Regen zurückgelegt habe – natürlich ohne Regenkleidung, in Jeans und Lederschuhen. Aber auch davon ließ ich mich nicht entmutigen …

Mittlerweile habe ich mit ihrer ‚Lady‘ 35 Länder bereist. Auch wenn der Tacho bereits mehr als 65.000 Kilometer anzeigt, so weiß ich bis heute noch nicht genau, wo die Zündkerzen sitzen und wie man die Kette spannt. Aber eines weiß ich ganz sicher:

„Meine Reise hat gerade erst begonnen!“

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